Leinöl und Rizinusöl

Leinöl 

Die hervorragenden und vielfältigen Eigenschaften von Lackleinöl finden hauptsächlich Anwendung in der industriellen Lackherstellung.In Kombination mit Harzen und Pigmenten war Leinöl seit langer Zeit Baustein des klassischen Lackes. Heute erfordert die Fertigung von industriell erzeugten Lacken und Farben die Bereitstellung von Lackleinöl verschiedenster Qualität, gewonnen durch einen Raffinationsprozess über die Stufen der Entschleimung, Entsäuerung und Bleichung. Es findet Verwendung bei der Herstellung von Lackkunstharzen, vor allem der Leinölalkyde, von Druckfarben, Standölen und Firnissen. Leinöl wird auch als Bindemittel für Pigmentpasten eingesetzt.Leinöl-Standöl unterschiedlicher Viskositäten und Säurezahlen wird durch Polymerisation bei hohen Temperaturen gewonnen und bei der Produktion von Anstrichstoffen, Druck-, Korrosions- und Aluminium-Farben ebenso verwandt, wie bei der Herstellung von Bremsbelägen. 

Geblasenes Leinöl, mit Luft unter höheren Temperaturen eingedickt, kommt mit seinen gut netzenden Eigenschaften in der Druckfarbenindustrie und als Kernbindemittel in der Gießerei- und Anstrichmittelindustrie zum Einsatz.
 
Das Spektrum ist so breit gefächert, dass man sich sogar heute auf mehrere tausend Jahre alte Verfahren besinnt und es jetzt wieder als nachwachsender Rohstoff immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Rizinusöl

Für Technik, Pharma und Kosmetik.

Die besondere Zusammensetzung des Rizinusöls eröffnet vielseitige Einsatzmöglichkeiten und ist Voraussetzung zahlreicher chemischer Umsetzungen. Ursache ist die ungewöhnliche molekulare Struktur. Das Triglycerid enthält zu fast 90 Prozent eine sonst in der Natur nicht vorkommende, synthetisch schwierig herzustellende Oxyfettsäure, bekannt als Ricinolsäure mit einer Hydroxylgruppe und einer isolierten Doppelbindung. Hervorzuheben sind im Vergleich zu allen anderen pflanzlichen und tierischen Fetten/Ölen die Alkohollöslichkeit und 20fach erhöhte Viskosität.
 
Neben dem Hauptanwendungsgebiet der Industrielackerzeugung auf Basis von Ricinen-Alkydharzen, wird Rizinusöl von der pharmazeutischen, kosmetischen, Textil- und Lederhilfsmittel-, Kunststoff- sowie Faser-Industrie eingesetzt. Es dient weiterhin zur Herstellung von Polyolen für Polyurethan-Systeme (besonders erwähnt seien hier 2-Komponenten-Polyurethanlacke wie auch Montageschäume), Seifen, Druckfarben, Weichmachern, Netz- und Schmiermitteln.

Für die Industrie ist Rizinusöl ein hochinteressanter Rohstoff wegen des Spektrums der Möglichkeiten chemischer Umsetzungen: 

- der Estergruppe
zu Fettsäuren, Glycerin, Alkoholen, Seifen, Mono- und Diglyceriden, Amiden und Aminsalzen,


- der Doppelbindung
zu hydriertem Rizinusöl bzw. Hydroxystearinsäure, polymerisierten und sulfonierten Ölen,


- der Hydroxylgruppe
zu trocknenden Ölen (Derizolenöl-Standöl), Sebazinsäure und Caprylalkohol, Türkischrot-ÖI, Urethanpolymeren, Undecy-lensäure und Heptaldehyd, alkoxylierten Rizinusölen.