Das Geheimnis von Lackleinöl und Leinölfirnis

Natürlich und effektiv: Leinölfirnis als Holzschutz (Foto@Fotolia)

Wie kann es sein, dass Lackleinöl bis heute in vielen Applikationen genauso gut funktioniert wie synthetische Harze? Worin liegt das Geheimnis? Antworten darauf finden sich in der Struktur von Leinöl, als auch in der Zusammensetzung der Fettsäuren.

Leinöl basiert auf Linolensäure und Linolsäure und besitzt eine hohe Anzahl an Doppelbindungen, die durch einen oxidativen Polymerisationsprozess aufgespalten werden und so eine chemische Vernetzung entsteht. Das entstehende Polymer wird Linoxin genannt und bildet einen witterungsbeständigen und unpolaren Film. Das Öl selbst hat sehr gute Vernetzungseigenschaften zu verschiedensten Substraten sowie Zuschlagstoffen wie z. B. Pigmenten und Füllstoffen. Außerdem haftet Leinöl auf Holz, zementären Untergründen und sogar auf vielen Metallen.

Leinöl: Spannend besonders für biobasierende Lacksysteme

Leinöl steht in keiner Konkurrenz zu Lebensmitteln oder zur Futtermittelherstellung. Es wird aus Leinsamen gepresst und kann mit schnellen und einfachen Extraktionsverfahren aus der Leinsaat gewonnen werden. Der anschließende Raffinationsprozess ist notwendig, damit das Fett nicht ranzig wird.

Wo wächst Leinsamen?

Leinsamen gedeihen sehr gut in kalten wasserarmen Regionen mit einem großen Temperatur-Gefälle zwischen Sommer und Winter, deswegen ist es auch nicht erstaunlich, dass sich die größten Anbaugebiete in Osteuropa und Kanada befinden. Im Vergleich zu synthetischen Lackharzen hat das aufgereinigte, veredelte Leinöl, auch Lackleinöl genannt, sowohl eine Zulassung für den direkten, als auch indirekten Lebensmittelkontakt. Obwohl das Produkt zu 100 % auf einem natürlichen Rohstoff basiert, werden kaum große Qualitätsschwankungen festgestellt.

Warum muss Leinöl raffiniert werden?

Rohleinöle sind für Endverbraucher oft unattraktiv aufgrund der dunklen Farbe und der häufig leicht trüben Optik. Doch auch in der technischen Anwendung altert Rohleinöl schnell aufgrund des Restwassers und der Säure. Diese steigt extrem an und führt zu schlechterer Trocknung und einer verschlechterten Witterungsbeständigkeit und damit zu schnellerem Glanzverlust und Versprödung. Eine klare Indikation für alterndes Öl oder eine schlechtere Öl-Qualität ist der Anstieg der Peroxidzahl.

Dennoch kann aus Rohleinöl „Leinölfirnis“ hergestellt werden, der sowohl als Klarlack als auch in hochgefüllten Systemen Anwendung findet. Leinölfirnis als natürlicher Holzschutz wird schon seit vielen Jahrzehnten eingesetzt. Versehen mit sogenannten "Sikkativen", als einem Trocknungsmittel und weiteren Zusatzstoffen, wird Leinölfirnis gern als Anstrichmittel für den Innen- und Außenbereich genutzt. Nach dem Aushärten bildet Leinölfirnis eine wasserabweisende Schutzschickt aus Linoxin. Diese Schicht wird als "Firnis" bezeichnet, aus dem Französischen von "Vernis", zu Deutsch "Lack". Die Kunst bedient sich der Ölfarben aus pigmentiertem Leinöl und anderer Zusätze, die auf der Leinwand zur Firnisschicht führt. Leinölfirnis ist leicht dickflüssig und sieht ähnlich aus wie Honig.

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